Notizie verificate, aggiornate tutto il giorno

venerdì 9 Ottobre 2026

Quotidiano online indipendente Aggiornamento continuo
Cultura

Begegnung schafft Vertrauen – Integration beginnt im Alltag

In Südtirol wird Integration als Prozess von Begegnung und Vertrauen verstanden.

Gestern fand im Innenhof des Palais Widmann in Bozen eine Tagung statt, bei der die Rolle von Gemeinden und lokalen Netzwerken bei der Aufnahme von Familien mit Migrationshintergrund im Fokus stand. Die Veranstaltung, organisiert von SALTO, zeigte, wie Begegnung und Vertrauen im Alltag die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund unterstützen können. Die Diskussion um die Bedeutung von Begegnung und Akzeptanz wurde von Expert:innen, Politiker:innen und Vertreter:innen von Integrationsinitiativen getragen.

Begegnung als Grundstein für Vertrauen

„Wer am Anfang erfahre, dass Menschen auf einen zugehen, entwickle Vertrauen und kann später auch negative Erlebnisse besser verkraften“, erklärte Leon Pergjoka, Soziologe und Beiratsvorsitzender für Integration in Bruneck. Seine Worte unterstrichen, wie wichtig persönliche Kontakte und die erste Begegnung sind, um eine positive Integration zu ermöglichen. Pergjoka erinnerte an seine eigene Erfahrung, als er vor fast 30 Jahren ins Ahrntal kam und von der lokalen Bevölkerung unterstützt wurde. „Die ersten Kontakte seien entscheidend“, betonte er.

Vertrauen entsteht im Alltag. Markus Frei vom SAI Eisacktal betonte, dass oft schon etwas Begleitung genüge, damit Familien „ihr Leben in die Hand nehmen“ können. Eine Wohnung sei häufig die entscheidende Voraussetzung dafür, dass Menschen selbstständig werden könnten. Frei warnte jedoch davor, Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung automatisch als Sozialfälle zu betrachten. Viele verfügten über Kompetenzen und Ressourcen, befänden sich aber aufgrund ihrer Lebenssituation zeitweise in schwierigen Verhältnissen. Gerade beim Wohnen würden strukturelle Probleme sichtbar.

Integration als Beziehungsarbeit

Fatima Ezzahra Ziyani von Insieme Unterland beschrieb Integration als Beziehungsarbeit. Sie erklärte, wie aus einem Sprachkurs oder einer ersten Beratung im Laufe der Zeit Vertrauen entstehe, das Menschen in die Lage versetze, sich bei Behörden, im Gesundheitswesen oder in der Schule zu orientieren. „Baut man hier Vertrauen auf, suchen die Menschen später Hilfe bei Behördengängen, Arztterminen oder Fragen zur Schule“, sagte Ziyani. Das Projekt Insieme Unterland werde so zur Brücke zwischen Menschen und Institutionen.

Die Rolle der Gemeinden und der Sozialdienste. Die Ergebnisse der jüngsten Untersuchung von EURAC Research zeigten, dass die Wahrnehmung und das tatsächliche Zusammenleben in Südtirol nicht unbedingt übereinstimmen. Ein höherer Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund führt nicht automatisch dazu, dass das Zusammenleben schlechter bewertet wird. Trotzdem haben vor allem Menschen in kleineren Gemeinden, wenn es um Migration geht, vor allem Angst um ihre Sicherheit. Die Gemeinden müssen bestimmen, wie zugänglich die Verwaltung ist, welche Möglichkeiten zur Begegnung bestehen oder wie Menschen in Vereine und andere gesellschaftliche Strukturen eingebunden werden.

Sozialdienste könnten zudem Gemeinden untereinander vernetzen, sprachliche und kulturelle Vermittlung anbieten und Integrationsreferent:innen unterstützen. Allerdings verwies Frei zugleich auf ein eigenes Problem: Auch den Sozialdiensten fehle Personal. „Wer am Anfang erfahre, dass Menschen auf einen zugehen, entwickle Vertrauen und kann später auch negative Erlebnisse besser verkraften“, sagte er. Die Beiträge der Tagung liefen damit auf einen gemeinsamen Punkt hinaus: Integration ist ein dezentraler Auftrag, der die Gemeinden braucht, ebenso wie Dienste und Orte, an denen Begegnung und Teilhabe überhaupt möglich werden. Die Tagung zeigte, dass Integration nicht nur von Strukturen, sondern auch von persönlichen Begegnungen abhängt. Aus Begegnungen im Alltag kann Vertrauen und schließlich ein gutes Zusammenleben entstehen. Die Diskussion um die Bedeutung von Begegnung und Vertrauen bleibt ein zentraler Aspekt der Integration in Südtirol.

Leggi anche